Ilja Ehrenburg …mehr als ein Straßenname
Tatsächlich: Im Rostocker Plattenbauviertel Toitenwinkel gibt es seit 1986 eine Ilja-Ehrenburg-Straße, und es gibt in Rostock seit dem vorigen Jahr eine Initiative, die dafür arbeitet, dass das so bleibt. Ilja Ehrenburg war der sowjetische Schriftsteller und Publizist, der schon in jungen Jahren wegen revolutionärer Tätigkeit aus dem zaristischen Russland fliehen musste, fast den gesamten Spanischen Bürgerkrieg vor Ort erlebte, im Großen Vaterländischen Krieg in leidenschaftlichen Artikeln zur Verteidigung der Heimat gegen die faschistischen Aggressoren aufrief, den Dokumentenband „Das Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden” mit herausgab und in der Nachkriegszeit unermüdlich im Dienst der Weltfriedensbewegung stand. Folgerichtig wurde er vom Vorsitzenden der Landsmannschaft der Schlesier, Rudi Pawelka, im Juli 2007 als derjenige bezeichnet, der an allen Leiden der deutschen Zivilbevölkerung am Ende des Zweiten Weltkrieges schuld sei. Ende April 2007 wurde bekannt, der Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock, Roland Methling, wolle in einer der nächsten Bürgerschaftssitzungen einen Beschluss über die Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße herbeiführen. Die Präsidentin der Bürgerschaft hatte einen neuen Hinweis erhalten: von einer Person aus Baden-Baden, die es als Skandal bezeichnete, dass in Rostock „noch immer” eine Straße nach Ilja Ehrenburg benannt sei. Daraufhin entstand im April 2007 die Initiative Ilja Ehrenburg. Begründet vom Rostocker Friedensbündnis, vereint sie die Antifaschistische Gruppe A3, die DFG-VK Regionalgruppe Mittleres Mecklenburg, die Gruppe LI*MO, den Kreisverband Rostock der Partei DIE LINKE., die VVN-BdA-Basisorganisation Rostock und Einzelpersonen. Am 8. Mai, dem Tag der Befreiung, trat sie mit einem Offenen Brief an den Oberbürgermeister und die Stadt Rostock an die Öffentlichkeit. Dieser Brief hat inzwischen auch prominente Unterstützung gefunden: Unterzeichner sind neben anderen Ehrenburgs französische Biographin, Prof. Lilly Marcou, der Literatur- und Theaterwissenschaftler Prof. Jochanan Trilse-Finkelstein, der Schriftsteller Gerhard Zwerenz, der Historiker Prof. Heinz Deutschland, der Musiker Kai Degenhardt und der Schauspieler Rolf Becker. Zu diesem Zweck haben wir ein Faltblatt erarbeitet und im Stadtteil verteilt, sammeln Material für einen Reader. Und wir haben in Rostock eine Veranstaltungsreihe aufgelegt. Sie ist fast abgeschlossen, inzwischen sind aber, auch durch die Zusammenarbeit mit den dabei gewonnenen Partnern, viele neue Ideen entstanden. Nicht zufrieden sind wir mit unserer Resonanz in der Presse. Auch die Stadtpolitik hält sich noch bedeckt. Am Horizont steht allerdings eine internationale Ehrenburg-Konferenz in Rostock. Eckart Spoo von der Zeitschrift „Ossietzky” hat sie vorgeschlagen. Wir begrüßen diesen Vorschlag und verfolgen ihn weiter. Wir halten Ehrenburg aber nicht nur für eine Rostocker Frage. Geschichtsrevisionismus gibt es überall. Wo gibt es anderswo noch den Namen Ilja Ehrenburg? Wir suchen bundesweit Straßen und Objekte, die den Namen Ilja Ehrenburg trugen oder tragen. Wir würden gern Erfahrungen austauschen, wie Umbenennungsversuchen entgegengewirkt und eine Stadt zu einem positiven Bekenntnis zu Ehrenburg veranlasst werden kann. Natürlich suchen wir auch Unterstützer für Rostock. Wir brauchen noch mehr Unterschriften für unseren Offenen Brief, Interessenten für unsere Veranstaltungen und Publikationen und viele Ideen und Kontakte! Ihr kontaktiert uns am besten so: Initiative Ilja Ehrenburg, c/o Rostocker Friedensbündnis, Postfach 10 82 40, 18012 Rostock, e-mail: rostocker-friedensbuendnis@web.de, Cornelia Mannewitz, Initiative Ilja Ehrenburg


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