Von Virus X zu Amöbenklang

1982 - Alge und HarryMadnessHolger „Alge“ Roloff, als Musiker und Labelbetreiber einer der wenigen Szene-Aktivisten des Nordens der DDR, im Interview mitAlexander Pehlemann(Hamburg–Greifswald, Ende 2007)

Der Norden der DDR ist bei allen Betrachtungen zum subkulturellen Geschehen der 80er bis dato kaum in Erscheinung getreten. Was sind deiner Meinung nach die Gründe dafür?

Traditionell konzentrierte sich die Beachtung der Musikszene auf die Zentren Berlin, Leipzig, Dresden …- aber auch die eine oder andere Nische dazwischen. Das trifft allerdings nur für die Wahrnehmung in den gängigen Medien zu. Bei Fans oder Insiderpublikationen, ob Fanzines oder Büchern, sieht das durchaus anders aus. 

Mangelte es an überzeugenden Projekten bzw. Bands oder an der Wahrnehmung von außerhalb?

In erster Linie mangelte es sicher an großen Namen. Selbst im etablierten Bereich fällt mir spontan nur BERLUC als Aushängeschild von Rostock ein. Ein zweiter Aspekt ist aber vielleicht die Dickköpfigkeit der Nordlichter, die sich in der ausgeprägten Verweigerungshaltung gegenüber der DDR-Öffentlichkeit niederschlug. Was hier ablief, war immer konsequent Underground, es sei denn, es kamen Bands mit Spielerlaubnis aus dem Süden zu Konzerten hoch an die Ostseeküste oder nach Schwerin, Greifswald etc. 

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